Impressum

Das Netzwerk Schlindewitz ist ein loser Zusammenschluss von LINKEN aus Lindenau, Plagwitz und Schleußig. Abseits der blutleeren Sprache im stickigen Raum handelsüblicher Politik versuchen wir, euren Erfahrungen und Ideen mit kulturellen Waffen einen Weg in die Debatte freizuschlagen. Seit 2012 tackern wir merkwürdige Veranstaltungsformate zu gesellschaftlicher Teilhabe, prekären Lebens- und Beschäftigungsverhältnissen und Verdrängung mit ihren hässlichen Fratzen zusammen.

*Manifest*

Stadtteil-Freiflächen

Die Aufwertung schreitet ungehindert voran. In Brachen und Ruinen, die einst einluden zum Streunen und in Beschlag nehmen, schlägt jetzt der Puls der Verdrängung. Der zehnte Loft-Komplex mit Blick auf den Kanal, das zwanzigste Probenraum-Hinterhaus, das abgerissen wird und einer Stadtvilla Platz macht. Mit dem Ausbau des Lindenauer Hafens wird eine weitere herrlich nutzlose Brache eingestampft, die sich bisher jedem Verwertungskalkül entzog und zu kaum mehr als zum Gassi gehen und Drachen steigen lassen taugte. Die unzähligen Klein- und Kleinstgalerien wandern derweil immer weiter Richtung Stadtauswärts und sind schon längst aus Plagwitz verschwunden und in Leutzsch angekommen.

Derweil schwafeln die großen Blätter von Leipzig als "neuem Berlin", von Armut und DIY, von "Authentizität" und Träumerei - wo es oft schon lange um nackten Kampf geht. Die letzten heruntergekommenen Häuser im Leipziger Westen sind bereits in Hausprojekte umgewandelt - die Wanderung geht nach Osten. Leipzig als "neues Berlin" klingt für uns nach einer Drohung. Schleußig ist das mahnende Beispiel für die Berlinisierung. Wir haben keine Lust, als Nomaden und städteplanerische Feuerwehr von Kiez zu Kiez zu ziehen, um jeweils dort dafür zu sorgen, dass in fünf Jahren die Feuilletons subversiv und subkulturell davon schreiben können.

Arbeit

Wir wollen auch nicht unser Leben zurecht stutzen und biegen, damit sich auch ja daraus eine Biographie ergibt, mit Praktika und dem schnurstracksen Weg nach oben. Wir haben lange genug das Geseier gehört von Flexibilität und Marktkompatibilität, Leistungsträgern und work-life-balance. Haben uns dagegen gewehrt, indem wir die protestantische Ethik kritisiert, Studien gelesen und die Faulheit gelobt haben. Wir sind alles Mögliche: die Generation Praktikum, die Generation Selbstausbeuter, die Generation Burn-out. In Projekten mit ungewissen Förderungen, in befristeten halben und viertel Stellen, in ehrenamtlicher Arbeit und dem Überlebenskunststück auf Hartz-IV haben wir Selbstverwirklichung gesucht und suchen sie immer noch, um nur nicht daran glauben zu müssen, dass das schon alles sei.

Darum wollen wir alles und auf nichts verzichten: die Kneipenlesungen, den Auftritt mit der Brassband, die Promotion, das Hausprojekt-Plenum, den gesamten Sonntag von afterhour zu afterhour tingeln.

Bildung

Wir wollen nicht für Abschlüsse und Karrieren lernen, haben den Anspruch, dass Bildung mehr sein soll, als Employability und PISA-Ergebnisse. Und wir verweigern uns einer Logik von immer-schneller, immer weiter, immer höher. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir uns jedes Jahr mehr die Zeit zur Entfaltung, jeden Freiraum, jeden Umweg vom direkten Bildungsweg erstreiten müssen.

Wir wollen für alle, die nach uns kommen, dass sie sich Zeit nehmen und ohne Druck und Erwartungen entfalten können. Außerdem wissen wir, dass Bildung in dieser Gesellschaft immer auch ein Privileg ist. Wir wollen gute, attraktive, ausfinanzierte Bildungsangebote, um der Vererbbarkeit des Bildungserfolg in dieser Gesellschaft entgegen zu wirken. Dazu gehören Schulen in Wohnortnähe mit Ausstattung genauso wie das prinzipiell radikale Infragestellen des Konzepts Schule mit Noten, Hierarchien und Lehrplänen.

Ja! Wir weigern uns, zu akzeptieren, dass das jetzt schon alles gewesen sein soll... Noch.

Wir haben so viel: bitterböse Polemik, messerscharfe Kritik, süße Träume und den Appetit auf Freiheit. Und doch bleibt so oft etwas übrig, in den einsamen Abendstunden, wenn der Termin bei der Arge näher rückt, wenn mal wieder ein Semester über der Regelstudienzeit 'rum ist oder der Vertrag bald ausläuft.

Und so fühlt es sich manchmal an, als würden wir mit nichts beginnen und mit allem scheitern.